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Der amtlich ermittelte Wert des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entspricht nicht der BIP-Definition, es wird ein viel zu hoher Wert berechnet - noch schlimmer:   Eine Analyse zeigt, die BIP-Berechnung ist z.T. unsinnig - das ist unglaublich!

Zusammenfassung: Der Beitrag zeigt, dass der Wert der erzeugten Güter, also das BIP, dem Einkommen der Haushalte entsprechen muss (das ist keine neue Erkenntnis und steht auch in Lehrbüchern, z.B. D.Krafft, "Wirtschaftskreislauf u. Sozialprodukt" S. 42). Das Statistische Bundesamt (Stat.BA) beziffert für das Jahr 2014 den Wert der erzeugten Güter, das BIP, mit 2.903,220 Mrd€, aber das Haushalte- (Inlands-)Einkommen  nur mit 2.104,223 Mrd € - da stimmt etwas nicht! Die Berechnung des BIP geschieht über die Einkommensver-wendung und diese Berechnung ergibt die  2.104,223 Mrd€, das ist der korrekte, der BIP-Definition entsprechende Wert der im Jahr 2014 im Inland erzeugten Waren und Dienstleistungen. Der "amtliche" Wert 2.903,220 Mrd€ entsteht durch zwei Erweiterungen des Einkommenswertes, aber das Stat.BA will  das nicht einsehen, verweist auf die ESVG 2010. Der Beitrag weist auf die  Konsequenzen dieser Falsch-information hin (sie erfolgt seit Jahren) - z.B. für Art.115(2) GG  "Schuldenbremse" oder EU-Beiträge.   

Es erfolgt jetzt der Beweis für obige Behauptungen, er ist leicht zu erbringen:

Ausgangspunkt ist die BIP-Definition. Das Stat.BA liefert sie, sie steht auch so in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern:   "Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Mass für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistung für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden."

Es ist sicher sehr nützlich, diesen Wert zu kennen, aber die Bestimmung dieses Wertes ist nicht einfach: Den hergestellten Waren und Dienstleistungen haftet nämlich ihr jeweiliger Wert nicht wie eine physikalische Eigenschaft (etwa wie das Gewicht bei Waren) an. Die (weltweit) praktizierte Methode zur BIP-Bestimmung  ergibt sich aus den Antworten auf zwei Fragen:

1. Wann sind Waren oder Dienstleistungen keine Vorleistung, erhöhen also das BIP? Antwort: Wenn die Waren oder Dienstleistungen von einem Haushalt erworben sind, da sie dann nicht mehr für die Produk-tion anderer Waren oder Dienstleistungen verwendet werden können. Beispiel: Ein Obstbauer verkauft Äpfel an eine Fabrik, die daraus sofort Marmelade herstellt. Das ist eine Vorleistung, betrifft das BIP nicht. Der Obstbauer verkauft auch auf dem Markt Äpfel direkt an Haushalte. Das ist eine "BIP-Leistung", sie erhöht das BIP.

2. Wie hoch ist der Wert (und damit der BIP-Beitrag) der von Haushalten erworbenen Waren/ Dienst- leistungen? Antwort: Der Wert entspricht den Ausgaben der Haushalte für die Waren/Dienstleistungen. 

Das ist eine wichtige Klarstellung: Nicht der Hersteller oder Verkäufer einer Ware oder Dienstleistung bestimmt letztlich deren Wert, er kann nur mit Hinweis auf die mit der Herstellung / dem Vertrieb verbundenen Kosten einen Wert = Preis vorschlagen. Den Wert bestimmt, wieviel die Haushalte beim Kauf von Waren/Dienstleistungen für diese bezahlt haben, und das ist auch einsichtig: Für dieselbe Ware/Dienstleistung  kann der zu zahlende Betrag von Verkäufer zu Verkäufer verschieden  sein und auch bei einem Verkäufer von Verkauf zu Verkauf  schwanken (Marktwirtschaft).  Die (Konsum-)Ausgaben der Haushalte müssen also dem BIP zugerechnet werden.

Damit die Haushalte überhaupt hergestellte Waren und Dienstleistungen erwerben können und damit ein Wert bildbar ist, benötigen sie ein Einkommen. Die Haushalte erhalten ihr Einkommen von Unternehmen oder dem Staat für ihre Mitwirkung bei der Herstellung der Waren und Dienstleistungen durch persönlichen Einsatz oder Kapital-beistellung, teilweise auch durch Umverteilung von Einkommen zwischen den Haushalten . Nun sind die Haushalte nicht verpflichtet, ihr gesamtes Einkommen eines bestimmten Zeitraumes auch in diesem Zeitraum auszugeben, sie können den Erwerb von Waren/Dienstleistungen zeitlich  verschieben, sie können "sparen". Da die Haushalte ihr Einkommen aber für ihre Mitwirkung bei der Herstellung von Waren/Dienstleistungen  erhalten haben müssen auch in Höhe dieser Ersparnisse Waren hergestellt worden sein, diese bilden jetzt "Bestände" in den Unternehmen. In Höhe der Ersparnis hat sich daher auch der Wert dieser Bestände erhöht und diese Wertänderung muss auch dem BIP zugerechnet werden.

Für die Bestimmung des BIP für einen bestimmten Zeitraum gilt daher recht einsichtig:

Das BIP ergibt sich aus der Summe von Konsumausgaben der Haushalte + Ersparnisse der Haushalte im Betrachtungszeitraum. Konsumausgaben der Haushalte + Ersparnisse der Haushalte müssen weiterhin dem Einkommen der Haushalte im Betrachtungszeitraum entsprechen, da es nur diese beiden Verwendungsmöglichkeiten für das Einkommen gibt. Mathematisch ergibt sich die  "Haushaltsgleichung": Summe der Einkommen = Summe der Ausgaben + Summe der Ersparnisänderungen.   Dieser Haushaltsgleichung wird wertgleich eine "Erzeugnisgleichung" zugeordnet, sie liefert dann das BIP:              Wert der erzeugten Güter = Wert der verzehrten Güter + Wert der Bestandsänderungen = BIP.

Mit folgenden Wirtschaftsdaten des Stat.BA www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/  lässt sich so für das Jahr 2014 ein "definitionsgemässes" BIP von 2.104,223 Mrd€ nachweisen :

Auch das Stat. BA bestimmt das BIP, also  den Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen auf  obiger Grundlage: Das Amt ermittelt  in einer "Verteilungsrechnung" das Einkommen der Haushalte und in einer "Verwendungsrechnung" , wie das Einkommen verwendet wurde.  Beide Rechnungen führen zum gleichen Wert  und dieser Wert ist dann ein BIP, das der Definition entspricht. Das Amt hält sich dabei an die ESVG2010 Vorschriften  (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von 2010).  

Hinweis: Das Statistische BA ermittelt das BIP weiterhin in einer Wertschöpfungs- oder Entstehungsrechnung. Auf diese wird weiter unten in diesem Beitrag eingegangen. 

Einkommen der Haushalte = (VERTEILUNGSRECHNUNG) =  Einkommensverwendung = (VERWENDUNGSRECHNUNG) in Mrd.€       

Volkseinkommen (Hinweis 5) 2.175,83(Konsum-)Ausgaben für Waren u. Dienstleistungen   1.878,80
dv. Arbeitnehmerentgelt 1.481,68 dv. Direkte u. Indirekte Steuern für vom Staat ohne Einzelberechnung gelieferte   Güter = "Staatskonsum" (1)     561,47      
dv. Unternehmens- und Vermögenseinkommen     694,15 dv. "Individualkonsum" (hierzu Hinweis 2 und 3) 1.317,33  
Saldo der Primäreinkommen mit der übrigen Welt (Hinweis 4)    - 71,61 Sparen  (hierzu Hinweis 5) +  225,42
    dv. für Vorräteveränderungen  (negativ, Vorräteabbau)) -   30,79 
    dv. für Investitionsveränderg. (Bruttoinvestition abzgl. Abschreibungen)     67,01 
    dv. für Aussenbeitrag (Export abzgl. Import) (Hinweis 6)   189,20  
Summe = Inlandseinkommen  2.104,22 Summe = Nachweis der Einkommensverwendung  2104,22
=  BIP lt. Definition (BIP-Def)   2.104,22 = BIP lt. Definition (BIP-DEF)  2.104,22
= Wert der im Inland erzeugten   Waren und Dienstleistungen   2.104,22 = Wert der "verzehrten" u. "gelagerten" Waren u. Dienstleistungen  2.104,22


Dieser "BIP-NACHWEIS" ist übersichtlich, leicht zu verstehen, sehr informativ  und  richtig (wenn die Zahlen vom BA richtig sind)  -  insbesondere weist dieser BIP-Nachweis sofort aus, ob und wieviel gespart wurde!  Die Aufgabe, das BIP zu bestimmen, ist gelöst. Hinweise zu diesem Nachweis:

1. Die Steuereinnahmen waren im Jahr 2014 höher. Der Staat gibt jedoch einen Teil der eingenommenen Steuern als Subventionen an die Unternehmen zurück, ein weiterer Teil der eingenommenen Steuern fliesst als Transfer-leistung direkt an bedürftige Haushalte zurück. Dies sind Einkommensumverteilungen, vom Staat vorgenommen, sie verändern das BIP nicht. 

2. In dieser Tabelle sind die Konsumausgaben der Haushalte aufgeteilt in "Staatskonsum" und "Individualkonsum". Der Staatskonsum umfasst Waren und Dienstleistungen, die der Staat den Haushalten ohne Einzelberechnung liefert (z.B. Unterrichtung der Kinder durch Unterhalt von Schulen), die Haushalte bezahlen diese Waren und Dienstleistungen pauschal mit Steuern, bestimmen also nicht den Wert der einzelnen vom Staat bezogenen Waren und Dienstleistungen und haben auch in Bezug auf den Lieferanten (es ist immer der Staat) meist keine Auswahl. Anders beim Individualkonsum. Hier haben die Haushalte im Prinzip freie Auswahl, welche Waren und Dienst-leistungen sie konsumieren möchten, können den Lieferanten auswählen und mit ihm den Preis bzw. Wert aushandeln. Für die Beurteilung einer Volkswirtschaft ist es wichtig zu wissen, welcher Anteil am Gesamtkonsum noch individuell bestimmbar ist und welcher staatlich vorgegeben wird, daher diese Aufteilung. 

3..Der Individualkonsum weist eine Besonderheit auf, er ist (fast immer) mit Staatskonsum gekoppelt: Tätigen die Haushalte Individualkonsum sind die Lieferanten (Verkäufer) der Waren oder Dienstleistungen gesetzlich verpflichtet, zusätzlich zu den ihnen zustehenden Erlösen auch noch  Steuern für den Staat zu kassieren und an diesen abzuführen (Mehrwertsteuer, Mineralölsteuern, auch als Indirekte Steuern oder Produktions- und Importabgaben bezeichnet). Die Haushalte bezahlen  damit  für Staatskonsum. Der in obiger Tabelle genannte Wert für den Individualkonsum enthält daher keine Steuern, da diese im Staatskonsum enthalten sind.  

4. Korrektur nötig, um das Einkommen an den Gütererzeugungswert anzupassen, denn das Volkseinkommen  enthält auch Einkommenzufluss aus dem Ausland - hierfür ist jedoch im Inland nichts erzeugt, also abziehen -         jedoch nicht den Einkommensabfluss an das Ausland - hierfür ist jedoch im Inland etwas erzeugt, also zufügen.

5. Das Stat.BA weist eine höhere Ersparnis aus - nämlich   259 Mrd€ (Konto II.4, Zeile B.8n im Stat.BA), also 34 Mrd€ mehr. Grund: Tatsächlich betrug das Einkommen der Haushalte 2014 ja 2.175 Mrd€ = Volkseinkommen, aus dem Ausland sind 72 Mrd€ Einkommen zugeflossen, siehe Hinweis 4. Diese 72 Mrd€ erhöhen aber nicht in voller Höhe die Sparsumme, denn im Auslandsgeschäft  gibt es die Ausgabenposition "Sonstige laufende Transfer mit der  übrigen Welt"  und der Saldo aus diesen Transfers beträgt -  38 Mrd€, (grösster Posten BNE-Eigenmittel-zahlungen an die EU). Es bleiben von dem Einkommenszufluss aus der übrigen Welt nur  72 - 38 = 34 Mrd€,  das ist die Erhöhung der Sparsumme. Güterseitig verbirgt sich dahinter eine Erhöhung von Vorräten und Anlagen deutscher Unternehmen im Ausland, die nicht aus Export/Import resultieren. 

6. Dieser Verwendungsnachweis macht deutlich, was sonst meist verschwiegen wird: Der Exportüberschuss wird mit Ersparnissen der Haushalte finanziert, in Höhe des Überschusses findet auch ein Kapitalexport statt.  

Problem: Das Stat. BA errechnet für 2014 ein BIP = Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen von 2.903,22 Mrd€ aus - also rund 800 Mrd€ mehr als in obiger BIP-Berechnung ! 

 Das ist eine gewaltige Differenz, die der Klärung bedarf. Schliesslich können im Jahr 2014 nicht Güter im Wert von 800 Mrd€ hergestellt worden sein, ohne dass dafür Einkommen gezahlt wurden. Wie soll dann der Wert dieser Güter ermittelt sein? Wer soll diese Güter erwerben, dafür fehlt es an Einkommen! Wo lagern diese Güter? Um auf eine Summe von 2. 903 Mrd€ zu kommen, muss das Stat. BA noch weiteres Einkommen von 800 Mrd€ und auch Ausgaben in dieser Höhe nachweisen, denn bei den Ersparnissen stimmt obiges Ergebnis mit den Nachweisen des Bundesamtes bereits überein (siehe oben Hinweis 5). Aber es gibt keine weiteren Einkommen und Ausgaben, schon gar nicht in dieser Höhe!  Das erlaubt nur einen Schluss: Der vom Statistischen BA ermittelte Wert der im Jahr 2014 hergestellten Waren und Dienstleistungen ist falsch.

Nun zeige ich, woher das Statistische BA die fehlenden Einkommen und Ausgaben nimmt, um auf den Wert von 2.903,22 Mrd€ zu kommen und beweise, dass diese Berechnungsmethode unsinnig ist.  Das  Stat. BA hält  sich dabei an die Vorschriften de ESVG 2010, daher erhalten in diesem Beitrag jetzt alle nach meiner Überzeugung falschen bzw. unsinnigen Werte zur Abgrenzung den Zusatz "-ESVG" .

Unglaublich: Das Statistische BA erhöht  einfach die Einkommen und die Ausgaben um die "indirekten Steuern" = Produktions- und Importabgaben in Höhe von 286,61 Mrd€ !

Das Statistische BA  erweitert den obigen BIP-NACHWEIS mit Einkommen und Einkommensverwendung  um die indirekten Steuern (das sind die "Produktions- u. Importabgaben"), diese werden auf der Einkommens- und auf der Ausgabenseite hinzu addiert, so entsteht das "Amtliche Nettoinlandsprodukt-Verteilung bzw. -Verwendung":

Einkommenszusammensetzung, Erweiterung lt. Stat.BA:     Einkommensverwendung, Erweiterung lt. Stat.BA:

 Summe aus obig. Tabelle = BIP-Verteilung lt. Def. 2.104,22 Summe aus obiger Tabelle = BIP-Verwendung lt. Def. 2.104,22
 Produktions- u. Importabgaben = Indir. Steuern + 286,60 Produktions- u. Importabgaben = Indirekte Steuern + 286,60
  Nettoinlandsprodukt-Verteilung-ESVG  2.390,82 =  Nettoinlandsprodukt-Verwendung-ESVG 2.390,82

Aufklärung:  Wenn auf einer Handwerkerrechnung steht (so ist es jetzt üblich)

10,0 Stunden Montagearbeiten  je  40,00 €  =  400,00 € + 19% Mehrwertsteuer = 76,00  ergibt Endbetrag 476 € 

weiss heute wohl jeder, beim Kauf von Waren oder Dienstleistungen findet ein Koppelgeschäft statt: 400 € erhält der Handwerker für seine Leistung, 76 € erhält der Staat und das ist eine (Teil-)Zahlung dafür, dass die Bürger der BRD eine Vielzahl von Gütern vom Staat beziehen (meist Dienstleistungen) ohne dafür eine Rechnung zu er-halten, z.B. werden Kinder in einer Schule  "ausgebildet".   

Das Stat.BA bzw. das ESVG (Vorschrift für das Stat.BA ) sieht dies offensichtliche Koppelgeschäft nicht. Laut ESVG findet beim Kauf von Waren- und Dienstleistungen durch einen Haushalt ein "Wertsprung" statt, und zwar vom "Herstellwert" (erhält der Verkäufer) auf den sog. "Marktwert" (zahlt der Käufer), dieser Wertsprung entspricht genau der Mehrwertsteuer und diese erhält der Staat und der Käufer erhält dafür andere Leistungen vom Staat. Insoweit ähnelt die Mehrwerststeuer einem Versicherungsbeitrag, dort besteht auch kein direkter Zusam-menhang zwischen der gezahlten Prämie und erhaltenen Leistungen von der Versicherung. Offiziell wird die Mehrwertsteuer zusammen mit ähnlichen Steuern (Mineralölsteuer) als "Produktions- und Importabgabe" bezeichnet, oft auch als "Indirekte Steuer" oder "Verbrauchssteuer".  

Nun könnte man meinen, das ist nur eine andere Betrachtungsweise des Kaufvorganges eines Haushaltes. Das ist es aber nicht: Wenn die von einem Haushalt gekauften Waren oder Dienstleistungen allein durch den Kaufvorgang einen Wertsprung erfahren, dann muss diesem Wertsprung ein Einkommenssprung gegenüber stehen  - denn wie eingangs dargelegt, müssen sich Einkommen und Wert der erzeugten Güter immer entsprechen und der Wert eines Gutes bestimmt sich daraus, wieviel für das Gut vom Käufer bezahlt wird.  Natürlich erhalten  die Haushalte diesen Einkommenszuwachs nicht ausbezahlt, sonst wäre hierfür auch noch Einkommenssteuer fällig.  Aber in den Wirtschaftskennzahlen des ESVG spielt er eine Rolle, er schafft neue und für den Nicht-Wirtschaftswissenschaftler unverständliche  Wirtschaftskennzahlen:

Zunächst: Der Wertsprung bzw. die Produktions- und Importabgabe betrug im Jahr 2014 nach Abzug von Subven-tionen (der Staat gab Geld an die Unternehmen zurück) 286,60 Mrd€ . Wird dieser Wert

addiert zum Inlandseinkommen (obige Tabelle) ergibt sich das "Nettoinlandsprodukt" =  2.390,82 Mrd€,                 addiert zum Volkeinkommen ergibt sich das "Primäreinkommen" oder "Nettonationaleinkommen"  = 2.462,43 Mrd€, addiert zumVolkseinkommen, jedoch dann vermindert um den Saldo der lfd.Transfer mit der übigen Welt ergibt sich das "verfügbare Einkommen" =  2.423,99 Mrd€, 

addiert zu den Konsumausgaben der Haushalte ergeben sich  die Konsumausgaben lt. ESVG = 2.165,4 Mrd€.

Weiterhin:        

Schulwissen reicht aus um sich zu wundern:  Warum wird auf beiden Seiten der Haushaltsgleichung der gleiche Summand mit gleichem Wert hinzu addiert? Wie können die Indir. Steuern bzw. Produktions- und Importabgaben zugleich Einkommen und Ausgabe sein? Die indirekten Steuern sind doch in der Ausgabeposition "Staatskonsum" bereits enthalten, bei jedem Einkauf wird doch Mehrwertsteuer gezahlt (siehe oben Hinweis 3)! Warum überhaupt diese Erweiterung, der obige BIP-NACHWEIS enthält doch alle Einkommens- und Einkommenverwendungskomponenten, ist abgestimmt, einsichtig und lässt keine Fragen offen?!

Es gibt darauf nur eine Antwort: Diese Erweiterung ist unsinnig - mathematisch und ökonomisch. Allerdings ist in den Publikationen des Statistischen BA (und in volkswirtschaftliche Lehrbüchern) nicht sofort erkennbar, dass die indirekten Steuern auf der Einkommensseite und auf der Einkommensverwendungsseite zugefügt sind:

Das  Amtliche-BIP-Verteilung, also die Zusammensetzung des Einkommens, weist die zugefügten Produktions- und Importabgaben als Einkommensposition direkt erkennbar aus - die Wirtschaftswissenschaftler sehen diese Position wohl auch als Einkommen an, sie bezeichnen die Summe aus Volkseinkommen und Produktions- u. Importabgaben  als "Nettonationaleinkommen" . Wer dieses Einkommen eigentlich erhalten hat ist unklar. 

Im Amtlichen-BIP-Verwendung, dies zeigt ja die Einkommensverwendung an, sind die zugefügten Produktions- u. Importabgaben erst auf den zweiten Blick erkennbar, sie sind nämlich mit dem Individualkonsum aus dem BIP-NACHWEIS in der Position "Privatkonsum" zusammen  gefasst. Damit sind die Produktions- u. Importabgaben  bzw. indirekten Steuern jetzt doppelt als Ausgabe enthalten - einmal als Teil des Staatskonsums und einmal als Teil des Privatkonsums! Das ist ganz einfach falsch, aber die Wirtschaftswissenschaftler scheint das nicht zu stören: Als Konsumausgaben werden nicht wie im BIP-NACHWEIS die Summe aus Staatskonsum und Individualkonsum = 1.828,33 Mrd€ angegeben (was korrekt wäre), sondern die Summe aus Staatskonsum und Privatkonsum = 2.165,405 Mrd€, das ist falsch: Damit entsprechen die Konsumausgaben etwa dem Volkseinkommem aber vom Volkseinkommen sollen ja noch rund 225 Mrd€ gespart sein !  

 Das Statistische BA schrieb mir dazu am 26.10.09: "Zur Frage Indirekte Steuern: Auch hier ist auf die Konvention zu verweisen (gemeint ist ESVG), dass die Güterverwendung zu Anschaffungspreisen zu bewerten ist. Dies bedeutet insbesondere, dass die privaten Konsumausgaben einschliesslich der darauf lastenden indirekten Steuern darzustellen sind (insbesondere Mehrwertsteuer und Verbrauchssteuern). Dieser Nachweis erscheint auch sinnvoll, weil es sich ja um effektive Ausgaben der privaten Haushalte handelt, wie sie etwa auch in Haushaltsbefragungen statistisch ermittelt werden können. Demzufolge enthält das Bruttoinlandprodukt (zu Marktpreisen) notwendigerweise auch noch die indire kten Steuern." Der obige BIP-NACHWEIS enthält doch auch die indirekten Steuern! Und: Eine Rechenvorschrift wie die ESVG darf doch nicht dazu führen, dass für einen so einfach zu verstehender Wert wie die Konsumausgaben der Haushalte ein falscher Wert berechnet wird!

Unglaublich: Das Statistische BA erhöht die Einkommen und die Ausgaben  auch noch um die "Abschreibungen" (512,390 Mrd€)!

Es erfolgt eine weitere Erhöhung der Einkommen und der Ausgaben um die Abschreibungen (der Unternehmen auf ihr Anlagevermögen) - und aus dem Nettoinlandsprodukt-ESVG  entsteht das "Bruttoinlandsprodukt-ESVG":

Einkommenszusammensetzung, Fortsetzung. lt. Sta. BA:       Einkommensverwendung, Fortsetzung  lt.Stat.BA:         

 Nettoinlandsprodukt-Verteilung-ESVG 2.390,82 Nettoinlandsprodukt-Verwendung-ESVG  2.390,22
 Abschreibungen + 512,40 Abschreibungen + 512,40
 = Bruttoinlandsprodukt-Verteilung-ESVG 2.903,22 = Bruttoinlandsprodukt-Verwendung-ESVG 2.903,22

Zunächst ist wie bei der ersten Erweiterung rein mathematisch gesehen die Frage zu stellen: Warum wird die Haushaltsgleichung bzw. der korrekte BIP-NACHWEIS hier in dieser Form erweitert, es ist doch unsinnig die Einkommens- und die Ausgabenseite um die gleiche Komponente zu erweitern, denn die Abschreibungen können doch nicht zugleich Einkommen und Ausgabe sein!

Ökonomisch gesehen entstehen Abschreibungen, weil Anlagen direkt (z.B. Machinen) oder indirekt (z.B. Gebäude) für die Produktion anderer Waren oder Dienstleistungen verwendet werden, sie sind (wie Rohstoff- oder Materialeinsatz) Vorleistungen, dürfen nicht zum BIP gerechnet werden, siehe BIP-Definition. Auch diese Erweiterung ist unsinnig, mathematisch  und ökonomisch. 

In der vom Statistischen BA veröffentlichten Zusammensetzung des Amtlichen BIP-Wertes ist allerdings nicht sofort erkennbar, dass die Abschreibungen auf der Einkommens- und auf der Einkommensverwendungsseite zugefügt sind, im Amtlichen BIP-Verwendung sind die Abschreibungen nämlich mit den Vorräte- und Anlageveränderungen zu einer Position "Bruttoinvestition" summiert! Das führt zu einem erheblichen Informationsverlust: Während im obigen BIP-NACHWEIS die Einkommensverwendung klar in Ausgaben und Sparen aufgeteilt ist, ist diese Aufteilung im Amtlichen-BIP-Verwendung jetzt nicht mehr erkennbar - eine wichtige Information zur Beurteilung der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird unterdrückt ! 

Ein weiterer Informationsverlust tritt auf: Bekanntlich haben die Unternehmen einen erheblichen Anlagenbestand   (Produktionsanlagen, Gebäude usw.), deren Wert sich laufend durch Benutzung und Veralterung mindert - ausgewiesen durch die Höhe der Abschreibungen. Natürlich ist es wichtig zu wissen, ob dieser Wertverlust durch Neuinvestitionen ausgeglichen wird - was ja wohl anzeigt, ob der Anlagenbestand auch jeweils dem neuesten technischen Stand angepasst wird. Der obige BIP-NACHWEIS zeigt dies sofort: Im Jahr 2014 hat sich der Anlagen- bestand um 67 Mrd€ erhöht, d.h., es ist nicht nur der Wertverlust durch Abschreibungen mit Neuninvestitionen ausgeglichen, sondern insgesamt ist der Anlagenbestand vergrössert! Das Amtliche-BIP-Verwendung zeigt  nur, in welcher Höhe investiert wurde - ob damit der Wertverlust ausgeglichen wurde, ist nicht erkennbar.

Im Amtlichen-BIP-Verteilung sind die zugefügten Abschreibungen als eigene Position sofort erkennbar ausgewie-sen, sie stellen für die Wirtschaftswissenschaftler  "Einkommen" dar, denn addiert zum Nettonationaleinkom-men sprechen die Wirtschaftswissenschaftler dann von einem "Bruttonationaleinkommen" (BNE) - auch hier ist unklar , wer dieses Einkommen bezogen hat. Tatsächlich gibt es dieses Einkommen nicht, die Zufügung der Ab-schreibungen auf der Einkommensseite ist nur nötig, damit die Haushaltsgleichung mathematisch erfüllbar ist.

Wie begründet das Statistische BA diese Erweiterung? Das BA schrieb mir dazu im bereits erwähnten Schreiben vom 26.10.09:  ": Zur Frage "Abschreibungen": Die international verbindlichen Konzepte der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (gemeint ist wieder  ESVG) sehen vor, dass in der Regel Markttranaktionen mit den dafür geltenden Preisen dargestellt werden. Die Güterverwendung soll demzufolge zu Anschaffungspreisen bewertet werden. Für Investitionsgüter bedeutet dies, dass sowohl Produktion als auch Verwendung der Investitionsgüter zunächst "brutto", also vor Abzug der Abschreibungen abgebildet werden. Das zwischen Güteraufkommen und Güterverwendung abgeleitete "Bruttoinlandsprodukt" enthält demzufolge logischerweise auch noch die Abschreibungen. Der Begriff Brutto-Inlandsprodukt soll dies ja gerade zum Ausdruck bringen. Die Abschreibungen werden erst in einer späteren Phase der Kreislaufdarstellung berücksichtigt. Im übigen ist diese Behandlung der Abschreibungen auch im betrieblichen Rechnungswesen üblich, wo ja auch ein Gewinnnachweis vor und nach Abschreibungen vorgenommen wird." Das verstehe ich nicht. Was heisst "spätere Phase"? Ist das BIP nur ein Zwischenergebnis? Tatsächlich zieht das Statistische Bundesamt die Abschreibungen wieder ab, wenn es die  Sparsumme ermittelt.

Durch die beiden Erweiterungen kommt das Stat. BA auf ein Bruttoinlandsprodukt lt. ESVG von 2.903,22 Mrd€, aber diese  Erweiterungen sind mathematisch und ökonomisch unsinnig, damit ist auch das Amtliche-Bruttoinlandsprodukt unsinnig! Was sagt das Statistische Bundesamt dazu?

 Am 26.9.2008 hat mir das Statistischen BA mitgeteilt: "Das BIP ist doch kein in der Wirklichkeit direkt beobachtbares Phänomen, sondern eine Grösse, die als Ergebnis bestimmter Aggregationen oder Saldenbildungen definiert wird. Eine solche Definition kann per se nicht "richtig" oder "falsch" sein".

Da staune ich aber sehr, das weicht vollständig von der BIP-Definition ab, die das Statistische BA veröffentlicht, siehe oben: Danach soll das BIP den Wert der in einem bestimmten Zeitraum hergestellten Waren und Dienst-leistungen messen  - und  hergestellte Waren und Dienstleistungen sind doch in der Wirklichkeit zu beobachten und ihr Wert ergibt sich aus den dafür gezahlten Euros - an jeder Kaufhauskasse kann man diese Wirklichkeit beobachten. Ich weiss wirklich nicht, was ich von dieser Aussage des Statistischen Bundesamtes halten soll. 

Auch die "Wertschöpfungsrechnung" zeigt, dass meine Behauptungen richtig sind:

Aus der BIP-Definition folgt, statt "Bruttoinlandsprodukt" kann man auch "Wertschöpfung" sagen. Dieses Wort be-schreibt eigentlich besser als Bruttoinlandsprodukt, was eine Volkswirtschaft betreibt, wird aber selten benutzt.   Diese Rechnung basiert auf folgendem Ansatz: Für jedes Unterehmen (incl. Staat als Unternehmen betrachtet) kann eine Wertschöpfung nach folgender Formel berechnet werden:                                                              Wertschöpfung = Verkaufserlöse (ohne Gütersteuer) + Bestandsveränderungen                                                                       - Einkäufe (ohne Gütersteuern) - Sonstige Produktionsabgaben an den Staat                       Es ist  einsichtig, dass die Wertschöpfung eines Unternehmens dem vom Unternehmen erwirtschafteten Einkommen entsprechen muss und die Summe über alle inländischen Unternehmen das Inlandseinkommen ergibt und dieses entspricht, wie oben im BIP-Nachweis gezeigt, dem definitionsgemäßen BIP. Mit der Wertschöpfungs- rechnung lässt sich der Beitrag von Unternehmen und Unternehmensgruppen  zum BIP darstellen. Leider führt das Stat. BA die Wertschöpfungsrechnung nicht konsequent aus, es ermittelt nur eine "Bruttowertschöpfung",  diese  enthält noch die Abschreibungen (abzuziehen, um zur "Wertschöpfung" lt. Definition zu kommen ) und die Sonstigen Produktionsabgaben (müssen abgezogen werden, sie gleichen Einkäufen). Hier die Werte für 2013:   Das Statistische BA hat für das Jahr 2014 ermittelt, die "Bruttowertschöpfung" betrug                        2.611,883 Mrd€,  nach Abzug der Abschreibungen = 512,390 Mrd€, ergibt sich die "Nettowertschöpfung"           = 2.023,520Mrd€,   nach Zufügung der Subventionen u. Abzug der Sonstg.Prod.Abgab. (zus. +4,73 Mrd€) ergibt ich     2.104,223Mrd€, das ist die "Wertschöpfung", sie gleicht exakt dem oben im BIP-Nachweis ermittelten BIP-Wert bzw. dem Inlandseinkommen.        

 Das amtliche BIP entspricht nicht der BIP-Definition, das ist jetzt bewiesen. Was bedeutet das?  

Zunächst darf es bei einem wissenschaftlich fundierten Wert nicht vorkommen, dass der zugehörige Wert nicht der Definition entspricht und sollte das wirklich einmal entdeckt werden, muss schnellstens eine Klärung erfolgen - das schuldet die Wissenschaft der Öffentlichkeit und sich selbst. 

Die Erklärung des Wertes der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen allein mit den Daten des obigen BIP-NACHWEISES führt zu einer wesentlichen Vereinfachung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Begriffe wie Nettonationaleinkommen, Bruttonationaleinkommen, Nettoinlandsprodukt, Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung entfallen ersatzlos, das Verständnis für den Wirtschaftsablauf wird erheblich erleichtert. 

Das BIP ist kein nur in Fachkreisen bekannter Wirtschaftsindikatordas BIP ist inzwischen einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff - es wird sehr oft in Zeitungen und Fernsehen genannt und kommentiert. Allein deshalb muss der BIP-Wert eindeutig und allgemein einsichtig sein! 

Aber das BIP bzw. der BIP-Wert hat inzwischen eine weit grössere Bedeutung erlangt, es ist sogar in unsere Verfassung aufgenommmen, es heisst im Art 115 (2): "Einnahmen und Ausgaben sind grundsätzlich ohne Einnahmen aus Krediten auszugleichen. Diesem Grundsatz ist entsprochen, wenn die Einnahmen aus Krediten   0,35 vom Hundert im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt nicht überschreiten." Der BIP-Wert bestimmt also den Handlungsspielraum der Bundesregierung in Bezug auf die Haushaltsgestaltung   - welcher der oben genannten Werte ist aber massgeblich? Der Wert, der der BIP-Definition entspricht oder der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Wert?  

Zum BIP gibt es als Gegenpol das Bruttonationaleinkommen (BNE): Es ist die Summe Bruttoinlandsprodukt + Saldo der Primäreinkommen mit der übrigen Welt und für 2014 meldet das Stat. Bundesamt ein BNE  2.974,828  Mrd€. Ist nun der BIP-Wert unsinnig ist auch der BNE-Wert unsinnig. Aber: Der EU-Haushalt wird aus verschiedenen Quellen gespeist, die ergiebigste ist die BNE-Quelle  und die Beiträge der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten orientieren sich am BNE-Wert der Staaten!

Scheinbar interessiert es nicht, dass der amtliche BIP-Wert nicht der BIP-Definition entspricht!

Allein die Möglichkeit, dass der BIP-Wert evtl. nicht  seiner Definition entsprechen könnte, müsste die Fachwelt eigentlich in Aufregung versetzen -  tut es aber nicht, das Bild des leeren Vortragssaales im Kopf dieser Seite soll Desinteresse symbolisieren.  

Ich habe obige Erkenntnisse  Wirtschaftswissenschaftlern mitgeteilt, und wenn ich überhaupt eine Antwort erhielt, dann verteidigte diese das heutige BIP. 

Ich habe mich an das  Wirtschafts-  und an das Finanzministerium gewandt - erhielt Eingangsbestätigungen, aber keine weitere Reaktion.                 

Ich habe bei Fachzeitschriften/ Magazinen usw. angefragt, ob es nicht notwendig sei dieses Thema zu behandeln - keine Antwort, also kein Interesse.

Daraufhin habe ich in dem speziell für Studierende der Wirtschaftswissenschaften bestimmten Monatsmagazin "WISU" im Mai-Heft 2010 einen 2-seitigen Beitrag veröffentlicht (nachzulesen auf meiner Website  www.manfred-dieckow.de und um e-mail-Antwort gebeten: Wer auch erkennt, dass der BIP-Wert falsch ist, möge mir schreiben unter bipfalsch@t-online.de, wer den Wert für richtig hält, schreibe unter biprichtig@t-online.de. Ich habe nicht eine einzige mail erhalten - erstaunlich !

Nur das Statistische BA, dem ich ebenfalls meine Kritik am BIP-Wert mitgeteilt habe, hat mir in mehreren Schreiben  dargelegt (ich habe oben aus den Schreiben zitiert), warum des BA durch Anwendung der ESVG-Regeln  zu den vom BA veröffentlichten BIP-Werten kommt - diese Darlegungen begründen aber nicht, warum der BIP-Wert von der Definition abweicht.   

Nun weiss ich natürlich, dass das heutige Berechnungsverfahren für den Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen in unzähligen volkswirtschaftlichen Lehrbüchern erläutert ist, dass es im "Europäischen System volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) Version 2010 für die amtliche Ermittlung des BIP-Wertes verbindlich vorgeschrieben ist und dass es weltweit in Universitäten den Studierenden erklärt und von diesen offenbar als richtig akzeptiert wird. Im Berufsleben beschäftigen sich täglich weltweit Heerscharen von Wirtschafts-wissenschaftlern mit den BIP-Werten, analysieren die Werte, weil sie z.B. die Entwicklung prognostizieren wollen - und keiner will gemerkt haben, dass mit dem BIP-Wert etwas nicht stimmt?  Kaum zu glauben.

Es gibt Wirtschaftswissenschaftler, die meine Aussagen stützen: So steht im VWL-Lehrbuch " Grundlagen u. Prob-leme der Volkswirtschaft"  (Baßeler/Heinrich/Utecht, Schäffer-Poeschel Verlag, 18.Auflage ) auf Seite 232 im Ab- schnitt " Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung": "Deshalb ist die häufig in den Medien zu findende Beschrei-bung  für das Inlandsprodukt als "Maß für die insgesamt von der Volkswirtschaft in einem Jahr produzier-ten Güter und Dienstleistungen" nicht nur konzeptionell falsch, sondern sie wirkt auch in Bezug auf die suggerierten Größenordnungen stark verzerrend."   Aber  diese Beschreibung (siehe BIP-Definition am Beginn dieses Beitrages)  steht nicht nur "in den Medien", sondern in den Publikationen und auf den Webseiten des Stat. BA und der Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie / für Finanzen - sie ist also "amtlich" und die Bürger/innen der BRD haben Anspruch auf eine Erklärung, was das Kunstwort "Bruttoinlandsprodukt" eigentlich bedeutet, denn es steht im Grundgesetz! Obiges Zitat bestätigt meine Aussage : 

 BIP-Definition und ermitteltes BIP des Stat.BA passen nicht zusammen 

Hier folgt die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung für das Jahr 2014, Stand Ende Januar 2015: 

 

                             Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung BRD, Jahr 2014, Überblick und Zusammenhang der Werte

Quelle: Stat.Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.1 Stand 31.1.2015, Zuordnung zu deren Tabellen siehe letzte Spalte

Pos. Begriff (kursiv: so die Bezeichnung in der ESVG2010 ) Werte (Mrd.€)                                                                                          lt. Tab./Spalte

1. Einkommensentstehung durch Gütererzeugung/-veredlung und -vermarktung in Unternehmen

1.0 Ansatz: Werden von den Erlösen eines Unternehmens (+/- Bestandsveränderungen) alle einkommensfremden Ausgaben/Kosten abgezogen, bleibt das vom Unternehmen generierte Einkommen übrig

1.1 + Produktionswert zu Herstellungspreisen = Verkaufserlöse (ohne Umsatzsteuern)                                                                 + 5.304,000

        aller inländischen Unternehmen +/- Bestandsveränderungen

1.2  - abzüglich Vorleistungen = alle Einkäufe der Unternehmen ohne Investionen                                                                         -  2,692,000

1 .3 = ergibt die Bruttowertschöpfung ´                                                                                                                                   + 2.611,883             1.14/1

1.4 - abzüglich Abschreibungen = Investitionen, verteilt über die Nutzzeit                                                                                        - 512,390               1.2/6

1.5 - abzügl. Sonstige Produktionsabgab. an Staat zuzüglich Subvent. vom Staat                                                                               - 4,730                 fehlt

                   davon Nettogütersteuern                                                                                              - 291,337                                                            1.3/4

.                      hiervon abziehen Prod. u. Importabgaben abzgl. Subv.                                             + 286.607                                                          1.14/2

1.6 = ergibt das Inlandseinkommen = Wertzunahme durch Güterbearbeitg, im Inland                                                         = 2.104,223               fehlt

                  davon Arbeitnehmerentgelt                                                                                           1.479,385                                                            2.3/1

                 davon Nettobetriebsüberschusss / Selbständigeneinkommen                                             624,838

1.7 + Saldo der Primäreinkommen aus / an übrige Welt (Saldo), z.B. Dividenden                                                                              + 71,608              1.2/2

1.8  = ergibt das Volkseinkommen = Wertzuwachs bei Gütern insgesamt                                                                                2. 175,831              1.3/1

                 davon Arbeitnehmerentgelt                                                                                             1.481,681                                                          1.3/2

                davon Unternehmens u. Vermögenseinkommen                                                                  694,150                                                           1.3/3

2. Volkseinkommensverwendung durch Güterkauf ( = Güterverzehr) und/oder Sparen der „Haushalte“

2.0 Ansatz: Das Volkseinkommen kann ausgegeben (= Güterkonsum ) oder gespart werden = Güterbestandsbildung. Übersteigen die Ausgaben das Volkseinkommen, werden Ersparnisse aufgebraucht oder Schulden gemacht

2.1 + Konsumausgaben des Staates = Steuerzahlungen, dafür liefert der Staat                                                                               + 561,473             3.1 /5

ohne Berechnung div. Güter , z.B Schulunterricht, Polizeischutz 

                  davon gezahlte Steuern insgesamt                                                                                + 657,175                                                          1.10/3

                       hiervon abziehen Rückgabe an Haush. (Einkommensumverteilg,)                                   - 95,702

2.2 + Ausgaben der Haushalte für Güter aller Art, ohne enthaltene Steuern, insbes. MWST                                                            + 1.317,325               fehlt

                 davon Private Konsumausgaben incl. Steuern, insbes. MWST                                       + 1.603,932                                                           3.1/4

                       hiervon abziehen enthaltene Steuern, da in Pos.2.1 enthalten                                       - 286,607                                                           1.3/4

2.3 + Saldo der laufenden Transfer aus /an übrige Welt = div. Ausgaben                                                                                            + 38.449           1.3/6,7

(als größter Posten Zahlungen an die EU) und div. Einnahmen

2.4 + Sparen = nicht ausgegebenes Einkommen + 258,584 1.5/3

2.5 = Volkseinkommen, Verwendung nachgewiesen                                                                                                              =  2.175,831            1.3/1

2.6 Hinweis: Zahlungen für Versicherungen sind zunächst nicht als Ausgaben anzusehen, denn diese Zahlungen . erhöhen die Ersparnisse . Die Versicherungen leisten dann aus diesen Ersparnissen zeit- u. ungefähr wertgleich Zahlungen an Haushalte (z.B. Renten) oder Zahlungen für Haushalte (z.B. Arzt- u. Krankenhauskosten) und diese Auszahlungen führen dann zu Verwendungen gemäß Pos. 2.1, 2.2, 2.4. und sind darin enthalten

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3. Für das nicht ausgegebene (gesparte) Einkommen müssen sich Bestände erhöht haben

3.0 Ansatz: Das nicht ausgegebene Einkommen liegt auf Bankkonten. Die Banken leihen dieses Geld Unternehmen, damit diese ihre Investitionen u. Vorräte finanzieren können. Sonderfall Außenhandel bei Exportüberschuss: Der Überschuss wird an ausländische Banken verliehen, die Exportunternehmen erhalten quasi von diesen ihr Geld.

3.1 + Veränderung der Anlagenbestände (aus Investitionen) in Unternehmen                                                                                         + 67,016           fehlt

                davon Bruttoanlageninvestitionen = Neuinvestitionen                                                             579,406                                                            3.9

                         hiervon abziehen Abschreibungen                                                                            - 512,390                                                         1.2/6

3.2 +/- Vorratsveränderungen u. Nettozugang an Wertsachen in Unternehmen                                                                                         - 30,787        3.1/8

3.3 + Erhöhung der Bestände im Ausland aus Außenhandel (Exporte -– Importe)                                                                                  + 189,196        3.1/9

3.4 + Erhöhungder Eigentumsbestände im Ausland                                                                                                                              + 33,159         fehlt

               davon Saldo der Primäreinkommen übrige Welt                                                             + 71,608                                                                1.2/2

              hiervon abziehen Saldo der lfd. Transfer übrige Welt                                                        - 38,449                                                            1.3/ 6,7

3 .5 = Sparen = nicht ausgegebenes Einkommen, Zusammensetzung nachgewiesen                                                                   = 258,584        1.5/3

4. Berechnung der Indikatoren Bruttoinlandsprodukt= BIP und Bruttonationaleinkommen = BNE

4.1 + Inlandseinkommen                                                                                                                                                            + 2.104.223       fehlt

4.2 + Produktions- u. Importabgaben abzgl Subv.                                                                                                                              + 286,607       1.3/4

4.3 + Abschreibungen                                                                                                                                                                      + 512,390       1.2/6

4.4 = Bruttoinlandsprodukt (BIP)                                                                                                                                                  = 2.903,220          1.2

4.5 + Einkommenszu-/abfluss übrige Welt (Saldo)                                                                                                                                + 71,608       1.2/2

4.6 = Bruttonationaleinkommen (BNE)                                                                                   =                                                      2.974,828          1.2

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Reichen Ihnen obige Informationen aus, um sich über das BIP ein Urteil zu bilden? 

 Wenn ich bei Ihnen Zweifel am jetzigen BIP-System geweckt habe, wäre ich für eine e-mail an die Adresse bipfalsch@t-online.de  Betreff "BIP-Diskussion" dankbar.

Wenn Sie der Meinung sind, das Statistische BA habe für das Jahr 2014 das BIP, also den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen mit 2.903,220 Mrd€ richtig ermittelt, bitte ich um eine e-mail an biprichtig@t-online.de

Dieser Beitrag ist erstmals im November 2010 hier veröffentlicht mit den Zahlen für das Jahr 2009.              Im  Januar 2015 ist der Beitrag angepasst an die Zahlen für das Jahr 2014 (Stand: 15.1.2015). 

Ein sehr ähnlicher Beitrag von mir ist auf Website  www.manfred-dieckow.de  abrufbar. 

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