BIP® im Vergleich zu weiteren Testverfahren

Sie sind unsicher, welche Verfahren der Eignungsdiagnostik für Sie am besten geeignet sind? Diese Leitlinie dient als Entscheidungsgrundlage für HR-Verantwortliche zur Auswahl wissenschaftlich fundierter Testverfahren. Um die Qualität und Rechtssicherheit gemäß DIN 33430 zu gewährleisten, werden hier ausschließlich Verfahren betrachtet, deren prognostische Validität für den Berufskontext empirisch belegt ist.
1. Etablierte Standardverfahren im Vergleich
In der professionellen Diagnostik dominieren drei Ansätze, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
| Verfahren | Fokus | Beste Einsatzzwecke | Vorteile | Grenzen und Kritik |
|---|---|---|---|---|
| Bochumer Inventar (BIP®) | Berufsbezogene Persönlichkeit | Recruiting (Fach-/Führungskräfte), Coaching, interne Auswahl | Expliziter Fokus auf die Arbeitswelt; hohe Akzeptanz bei Bewerbern durch Berufsbezug; umfangreiche deutsche Normen. | Als reines Selbstbildverfahren anfällig für soziale Erwünschtheit (durch Kontrollskalen abgemildert); international weniger verbreitet. |
| NEO-PI-R / NEO-PI-3 | Allgemeine Persönlichkeit (Big Five Modell) | Karriereberatung, tiefe Selbsterkenntnis, Forschung | Weltweiter „Goldstandard“; extrem differenziert durch 30 Facetten; in über 50 Sprachen verfügbar. | Nicht primär berufsbezogen; Ergebnisse müssen in den Arbeitskontext „übersetzt“ werden. |
| Hogan Assessments (HPI, HDS, MVPI) | Führungs- und Risikodiagnostik | High-Stakes Selection, C-Level, Identifikation von „Derailern“ | Fokus auf die „Schattenseiten“ unter Stress; sehr hohe Validität für Top-Management. | Hoher Preis; Interpretation erfordert sehr hohe Expertise; eher statisches Persönlichkeitsbild. |
2. Spezialisierte und weniger übliche Verfahren
Diese Verfahren ergänzen die Standarddiagnostik bei spezifischen Fragestellungen:
- TOP (Dark Triad of Personality at Work): Dieses Verfahren misst Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie ausschließlich über berufsbezogene Items. Es ist rechtlich unbedenklich und ideal, um Risiken für kontraproduktives Verhalten (z. B. Diebstahl, Manipulation) in Vertrauenspositionen zu minimieren.
- HEXACO-PI-R: Erweitert das Big-Five-Modell um die Dimension „Ehrlichkeit-Bescheidenheit“. Es ist wissenschaftlich oft präziser als der NEO-PI-R, wenn es um die Vorhersage von Integrität und ethischem Verhalten geht.
- ANAKONDA: Ein berufsbezogener kognitiver Leistungstest (Intelligenztest), der statt abstrakter Symbole wirtschaftliche Kennzahlen nutzt. Dies führt zu einer deutlich höheren Akzeptanz bei den Teilnehmern im Vergleich zu klassischen IQ-Tests.
- G8T (Great-8-Tachometer): Ein computergestütztes Kompetenzverfahren, das 39 Kompetenzbereiche in nur 30 Minuten erfasst und sich präzise auf individuelle Jobprofile anpassen lässt.
3. Entscheidungshilfe: Welcher Test für welchen Anlass?
Die Wahl des Verfahrens sollte sich strikt an der Zielsetzung und der hierarchischen Ebene orientieren:
- Vorauswahl / Screening: Für eine effiziente Filterung großer Bewerberpools eignen sich kompakte Verfahren wie das BIP-6F.
- Fach- und Führungskräfte (DACH-Region): Hier ist das BIP® das Mittel der Wahl, da es die berufsrelevanten Merkmale (z. B. Führungsmotivation, Belastbarkeit) direkt in der „Sprache der HR“ misst und wissenschaftlich exzellent für diesen Kulturraum validiert ist.
- Top-Management / Strategische Rollen: Bei C-Level-Besetzungen empfiehlt sich die Triangulation. Die Kombination aus BIP (beruflicher Fokus), NEO-PI-R (tiefes Charakterprofil) und ggf. Hogan (Risikoprofile) bietet die höchste Entscheidungssicherheit.
- Integritätskritische Positionen: Hier sollte der Fokus auf den H-Faktor (HEXACO) oder das TOP-Verfahren gelegt werden, um antisoziales Verhalten auszuschließen.